Schul-Wissen
Schul-Wissen

Schulentwicklung

Ansätze für Schulentwicklung gibt es viele: Das Thema hat Hochkonjunktur. Als übergeordnete Bedingung für das Gelingen nennen Buhen & Rolff (2012, 33): Ganzheitlichkeit statt Stückwerk. Die einzelnen Elemente der Schulentwicklung müssen zu einem großen Ganzen zusammen gefügt werden. Ziel ist ein komplettes Menü und nicht die Darstellung vieler Einzelteile.
Organisationen können nur von innen heraus weiterentwickelt werden: Die Schulentwicklung geht alle an (nicht nur einen Teil des Kollegiums oder gar nur die Schulleitung). Die Entwicklung von Einzelschulen ist entsprechend das Fundament und der Motor aller Schulentwicklung. Dieser Ansatz definiert die Quellen von Entwicklung (und Erfolg) innerhalb der Einzelschule! Dabei haben alle Schulen identisch ausgebildete Lehrpersonen, sodass die Rekrutierung von besser qualifizierten und motivierten Mitarbeitern schwierig ist. Diese Personalvorteile in der freien Wirtschaft scheiden in der Schule überwiegend aus, sodass Schulentwicklung individuell (in der Einzelschule!) die Kompetenzen und Ressourcen entdecken, ausbauen und pflegen muss, die für den nachhaltigen Erfolg und somit als Wettbewerbsvorteil entscheidend sind: Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen. Die Umwelt sollte dabei berücksichtigt werden, jedoch sind äußere Rahmenbedingungen nur bedingt planbar.
Ausgehend von der Entwicklung einzelner Schulen besteht die Gefahr der „Balkanisierung“ von Schulen – die unkontrollierte Auseinanderentwicklung ergänzt durch zunehmende Aggressionen gegenüber Schulen, die als Konkurrenten empfunden werden. Die für die Schulentwicklung notwendige höhere Autonomie der Einzelschule kann im negativen Fall zu einem Sozialdarwinismus (Rolff, 2007, 61) im Form von Vernichtungskonkurrenz führen. Im positiven Fall jedoch belebt Konkurrenz das Geschäft und die Einzelschulen suchen sich Profilierungsbereiche aus, in denen sie ihre Stärken sehen. Regionalkonferenzen und Netzwerke zum Informationsaustausch und evtl. Absprachen können hier positiv einwirken.
Die höhere Autonomie der Einzelschule sollte von der Schulaufsicht durch Nachsteuerung (vgl. Rolff, 2013, 35) durch die Schulaufsicht begleitet werden: Den Schulen einige Jahre für die individuelle Entwicklung lassen und diese im Nachhinein gemeinsam überprüfen. Interventionen aus außen beispielsweise der Schulaufsicht werden von den Einzelschulen gemäß ihres schulindividuellen „Systems“ verarbeitet. Dieser innerschulische  Systemzusammenhang  ist von ausgesprochen großer Bedeutung. Schulentwicklung bedeutet Veränderung, die primär aus dem eigenen System zu initiieren ist. Externe Berater sollten deshalb bei der Reflexion blinder Flecken helfen oder konkrete Hilfen bspw. bei Evaluationsfragen anbieten. Veränderungswünsche von außen erscheinen jedoch wenig zielführend: Planung und Ausführung gehören bei der Schulentwicklung zusammen. Veränderung sollte Selbständerung sein! Die Rolle von Beratern kommt mit dieser Sicht nahe denen der systemischen (Familien-) Therapeuten, die durch konkretes Nachfragen den „Spiegel vorhalten“ und auch neue Sichtweisen einbringen –ohne aber selbst Einfluss auf das System zu nehmen!

Die systemische Sichtweise fördert die Transparenz: Schulentwicklung findet in einem unsichtbaren Spannungsfeld von Subkulturen mit unterschiedlichen Interessen statt.  Geschichten, Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge prägen das Denken und Handeln oft unabhängig von Organigramm und Schulprogramm. Veränderungen eröffnen Profilierungsmöglichkeiten und sind zugleich potenzielle Angriffe auf bestehende Machtverhältnisse. Aus Schulentwicklung folgt eine subjektiv erlebte Unordnung der Organisation bzw. ihrer Machtverhältnisse. Und jede Entwicklung durchbricht systemstabilisierende Muster und bedeutet zunächst eine „Störung“. Schulentwicklung ist ein ganzheitliches System aus Strategie, Struktur, Kultur und Steuerung.  

Schulentwicklungsberatung

Im Sinne der SEB kann ein Schulentwicklungsprozess nicht verordnet werden, sondern muss auf freiwilliger Basis und unter Befürwortung der jeweiligen Schulleitung stattfinden. SEB geht von ratsuchenden Klienten aus, die selbst die Verantwortung für eine Problemstellung und dessen Veränderungen behalten. Dabei soll ausdrücklich der Beigeschmack des Eingestehens einer Schwäche (sich nicht alleine helfen zu können) wie auch der Kontrolle (durch die schulfachliche Aufsicht) vermieden werden: die Inanspruchnahme der SEB ist professionelles und verantwortungsbewusstes Handeln.
Die Lösung muss durch die Klienten selbst erarbeitet und umgesetzt werden, wobei die SEB notwendige Unterstützungsleistungen – zeitlich befristet – beisteuern. Das Ziel besteht im Kern in der Selbstentwicklung von Schulen, wobei diese Selbstentwicklung durch die SEB begleitet wird. Die eigentliche Durchführung der Problemdiagnose, daraus folgende Zielsetzungen und Veränderungen in Form von Konsequenzen erfolgen durch die Klienten selbst. Die SEB übernimmt Verantwortung für die Gestaltung des Entwicklungsprozesses, nicht jedoch für problemlösende Veränderungen. Der Expertenstatus der SEB bezieht sich auf vorhandenes Fachwissen und eigene Erfahrungen im Bereich der Schulentwicklung (Felderfahrung von Lehrpersonen, die zu Schulentwicklungsberater/innen ausgebildet werden und als externe Begleiter zur Verfügung stehen). Je nach Problem- und Aufgabenstellung werden im Entwicklungsprozess aber weitere Fachmoderatoren hinzugezogen, die über besondere Zusatzqualifikationen verfügen.
Der Grund, sich SEB ins Haus zu holen, liegt sicherlich in einem Druck, dass es Problembereiche gibt, die mit eigener Kraft nicht lösbar erscheinen. Besondere Anlässe, zu denen sich die SEB einbringen kann:

  • Schwierige/problematische Situationen an einer Schule
  • Wechsel der Schulleitung
  • Entwicklung eines neuen Schulprogrammes
  • Umstrukturierungsprozesse wie bspw. Wandel von Realschule in Sekundarschule, auslaufend gestellte Schule, neu zu gründende Schulen
  • Teamentwicklung / Kommunikation
  • Organisationsentwicklung (z.B. Ganztag, Stundenplan, …)
  • Inhaltliche Entwicklungsarbeit (z.B. Individuelle Förderung, Inklusion, Berufsorientierung)

Eine bedeutende Grundidee der SEB ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Entwicklung kann nicht von außen definiert oder gar vorgenommen werden; entwickeln kann sich nur ein System (also eine Einzelschule) selbst. Dazu werden realistische Veränderungsmöglichkeiten festgestellt, geplant und umgesetzt – also die Veränderungen, in der Einzelschule (oder Subsystemen) veränderbar sind. Der eigene Einfluss ist dabei zentral, da weder die Einzelschule noch die SEB am externen Rahmen arbeiten können. 
Schulentwicklungsberaterinnen und -berater (SEB)  unterstützen Schulen bei der eigenständigen Planung, Gestaltung, Umsetzung und Reflexion ihrer schulischen Entwicklungsprozesse.
Die SEB werden sicherlich auf Vorurteile treffen und viele Schulleitungen möchten sich nicht die Blöße geben, externe Fremdlehrer der Kompetenzteams bzw. der staatlichen Lehrerfortbildung hinzuzuziehen, die dann noch Volleinsicht in interne Informationen bekommen.