Schul-Wissen
Schul-Wissen

Qualitätsentwicklung

Warum „Qualität“? Die Beschäftigung mit dem Thema Qualität stammt aus der Wirtschaft und basiert auf Negativerfahrungen. Aus der Kundensicht haben wir entsprechende Erfahrungen gesammelt: schlechte Erfahrungen beim Erwerb von Produkten oder Dienstleistungen aufgrund mangelnder Qualität. Betriebswirtschaftlich betrachtet werden hierdurch Kosten verursacht: Mangelnde Qualität ist (für die Wirtschaft) teuer, da Nachbesserungen, Neulieferungen, Schadenersatz, Imageverlust, Prozesse usw. ein bedeutender Kostenfaktor sind. 

Viele Schulen finden mittelfristig keine stabilen Rahmenbedingungen mehr vor. Schulen werden geschlossen, (zwangs-) fusioniert oder blieben mit reduziertem Personal „zunächst“ bestehen. Vergleichsarbeiten, Lernstandserhebungen oder vergleichbare zentrale Abschluss/Abiturprüfungen dienen als quantitative Daten Verwaltung und Politik als Kriterien für Qualität. Bezieht man sozialdemografische Daten ein, sind diese Aussagen zur Schulqualität nicht haltbar.

Verlage aus dem Themenbereich „Schule und Unterricht“ haben u.a. vor diesem Hintergrund einen neuen Schwerpunkt gefunden: Qualität. Kaum ein Verlag, der keine Bücher zum Thema Qualität an Schulen, Qualitätsmanagement oder direkt sinnverwandten Themen wie kollegiale Unterrichtsbesuche, Konfliktmanagement im Kollegium, Führung von Schulen usw. im Sortiment hat. Auch bei der Durchsicht von Stellenausschreibungen für gehobene Funktionsstellen tauchen zunehmend häufiger auch Anforderungen aus dem Themenbereich Qualitätsmanagement auf.

Durch diese „Hochkonjunktur von Qualität und Schule“ entsteht Vielfalt – aber auch sehr viel Unübersichtlichkeit.

Definition: „Qualitätsmanagement“ bezeichnet alle nachhaltig wirksamen Maßnahmen, die der Verbesserung dienen. Das Ziel im schulischen Qualitätsmanagement besteht in der systematischen Verbesserung der Qualität in unterschiedlichen Dimensionen von Unterricht und Schule. 
Zentraler Mittelpunkt von schulischem Qualitätsmanagement ist die Unterrichtsentwicklung!
Qualitäts-Management = Qualitäts-Sicherung + Qualitäts-Entwicklung
Und: Letztendlich muss die die Qualität auf den täglichen Unterricht auswirken!

 

Es wirkt trivial, ist aber der Kern: Qualität benötigt Ziele. An dieser Stelle halten wir fest: Es gilt Ziele zu definieren – wenige gute Ziele sind dabei besser, als viele Ziele!

Was sind gute Ziele für eine Schule? Einigen wir uns an dieser Stelle darauf, dass eine „gute Schule“ in verschiedensten Bereichen zu einer guten Schule wird, indem sie sich auf den Weg macht – wir sprechen also von Entwicklung. Entwicklung lässt sich passend über das Gegenteil definieren: Entwicklung ist das Gegenteil von Stillstand. Entwicklung beschreibt einen Vorgang, der eine Veränderung einleitet. Und Entwicklung wird von den Menschen bewegt. Eine Schule die sich entwickeln möchte, wird dazu sicherlich Ziele definieren können: Diese Zielzustände sind für die Schulgemeinschaft erstrebenswert.

 

Die Einführung eines Qualitätsmanagements soll nicht „noch mehr auf den Karren laden“, wohl aber dafür Sorge tragen, dass überhaupt Ziele vorhanden sind – wenige und gute Ziele! Gute Ziele sind dabei Ziele, die der Schule etwas bedeuten, die sich positiv auswirken, wenn sie erreicht werden. Finden Sie gemeinsam mit dem Kollegium Ziele. Ziele helfen Ideen und Visionen zu verwirklichen, indem Endzustände beschrieben werden (= Ziele), auf die gemeinsam hingearbeitet wird.

Ziele sollen positiv formuliert werden - beschreiben Sie nicht, was Sie abschaffen möchten, sondern den begehrten Endzustand. Anregungen können Sie dem Referenzrahmen Schulqualität NRW entnehmen, der konkrete Indikatoren beschreibt, was unter einer 'guten Schule' zu verstehen ist.

Definition: „Qualität“ bedeutet die Spannungen zwischen dem erreichten Ist-Zustand und dem gewünschten Sollzustand schrittweise reduzieren. Zentraler Mittelpunkt von schulischer Qualität ist der Unterricht. Eine Schule kann nur erfolgreich sein, wenn jeder Mitarbeiter (s)eine Mitverantwortung an der Qualität und an dessen Verbesserung trägt.

 

Einen guten Überblick über das Thema QE bietet folgendes Buch:

Kaizen
Als ergänzenden Entwurf zum zielgruppenbezogenen Ansatz dient die japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie (sowie die Grundlage des Zen-Buddhismus) „Kaizen“ – die Veränderung zum Besseren („Kai“: Ersatz / Veränderung, „Zen“: Das Gute / zum Besseren, „Kaizen“: Ersatz des Guten durch das Bessere).
Die Idee: Kein Zustand kann als gut angesehen werden, so dass man ihn nicht noch verbessern könnte. 
Grundsatz: Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein! In Deutschland hat sich der Begriff des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses durchgesetzt.
Grundannahme: Eine zum Zeitpunkt X betrachtete Tätigkeit ist immer optimierungsbedürftig. Es herrscht niemals ein Zustand der Selbstzufriedenheit. Erreichtes wird immer wieder in Frage gestellt. Kurzdefinition: Kontinuierliche Verbesserung in kleinsten Schritten durch die Mitarbeitenden selbst.


Deming-Kreis
William Edwards Deming entwickelte u.a.  dem nach ihm benannten Deming-Kreis, der Handlungen in einem Kreismodell darstellt: Planen - Durchführen - Prüfen - Anpassen.

 

  • Planen (plan): Plane eine Verbesserungsmaßnahme / Erstelle ein Arbeitsprogramm! Was wollen wir erreichen? (z.B. an unserer Schule? In unserem Unterricht?)
  • Durchführen (do): Setze die Verbesserungsmaßnahme um! Welche Maßnahmen ergreifen wir, um diese Ziele zu erreichen? (konkrete Maßnahmengestaltung und Umsetzung)
  • Prüfen (check): Überprüfe das Resultat! Erfüllt es die Erwartungen? Was wurde daraus gelernt? Erreichen wir mit den Maßnahmen unsere Ziele? Evaluation/Überprüfung: Wie gut sind wir (Bestandsaufnahme)?
  • Anpassen (act): Entscheide über die Maßnahme und/oder „plane“ erneut unter veränderten Bedingungen! Welche Konsequenzen ziehen wir aus den Ergebnissen der Evaluation? (Maßnahmenverbesserung? Neue Maßnahmen planen?)


Bei der Ebene „Planen“ sollten die verschiedenen Eingangskanäle beachtet werden, die mit Rahmen unseres Betrachtungswinkels bedeutsam sind:

  • Staatliche Rahmenbedingungen (z.B. Lehrpläne; Budgetierungen)
  • Schulspezifische Rahmenbedingungen (Schulprogramm/Leitbild)

DIN ISO 9000 ff, EFQM und Q2E basieren auf der Idee des Deming-Kreises!

 

Die Qualitätsmodelle und Qualitätsrahmen der verschiedenen Bundesländer sind Orientierungsmodelle, an denen sich die Schulen ausrichten sollen. Dazu gibt es i.d.R. Aufforderungen schulindividuelle Schwerpunkte selbst zu definieren oder es sollen (im Rahmen von Zielvereinbarungen nach Schulinspektionen) unterentwickelte Bereiche des jeweiligen Orientierungsrahmens aufgear-beitet werden.


Unabhängig von den vielfältigen Qualitätsbereichen kann übergeordnet festgehalten werden, wodurch Schul- und Unterrichtsqualität gefördert wird:

  • Prozessorientierung: Überprüfung der Prozessqualität, insbesondere der qualitätssichern-den Prozesse.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Laufende Optimierung der Prozesse durch systematische Fehlererkennung und Ermittlung von Ist-Soll-Differenzen.
  • Selbststeuerung: Akzentuierung von Selbststeuerung und der Selbstevaluation - und der Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.
  • Kundenorientierung: Möglichst hohe Übereinstimmung der Lern- und Bildungsangebote mit den Ansprüchen der Zielgruppen.

Qualität durch Entwicklung und Evaluation - Q2E

Die Selbstverantwortung der Beteiligten für die Qualität findet bei Q2E besondere Bedeutung, da alle in der Schule Arbeitenden beteiligt werden (können). Bei Q2E steht nicht die Dokumentation von Abläufen, sondern die fortlaufende Überprüfung und Entwicklung schulbezogener Tätigkeiten im Vordergrund.
Lt. Peter Steiner sieht sich Q2E als ein Exzellenzmodell zur Orientierung. Q2E soll als eigenständiges Modell zur Orientierung für selbst entwickelte, schulindividuelle QM-Systeme dienen. Demnach gilt es ein eigenes QM-System zu entwickeln, in Anlehnung an Q2E.
Prämissen des Q2E-Modells:

  • Das Qualitätsmanagement muss in die Führungsverantwortung der Schule eingebunden sein.
  • Das QM muss in die Kultur der betreffenden Schule integriert und von den Lehrpersonen und vom Schulpersonal mitgetragen sein.
  • Das QM muss die beiden Funktionen „Entwicklung” und “Rechenschaftslegung” und das damit verbundene Spannungsfeld angemessen berücksichtigen.
  • Das QM setzt eine Kooperationskultur voraus, in der sich die beiden Perspektiven „Ich und meine Klasse“ und „Wir und unsere Schule“ sinnvoll ergänzen.
  • Ein QM ist nur sinnvoll, wenn es sich letztlich auch auf die Qualität des Unterrichts auswirkt.
  • Ein QM braucht Normen/Standards. Die Festlegung von Qualitätsstandards ist im schulischen Bereich außerordentlich anspruchsvoll und muss mit großer Vorsicht angegangen werden.