Schul-Wissen
Schul-Wissen

Systemische Grundlagen

Das Erleben und Verhalten von Individuen bezieht sich häufig auf andere Menschen. Dabei bestehende Wechselwirkungen folgen oft festgelegten Regeln. Es geht primär um das individuelle „Ich“ der einzelnen Person, das aber wiederum durch diverse Interaktionen mit weiteren Beteiligten wechselseitig beeinflusst wird. Die Betrachtung von Wechselwirkungen innerhalb eines Systems (Familie, Abteilung, …) ist Gegenstand der Systemtheorie.

Ein System bildet aus mehreren Einzelteilen ein gemeinsames Ganzes, und innerhalb eines Systems bestehen Rückkoppelungsprozesse. Halten wir als Arbeitsdefinition fest:

Ein System ist eine Anzahl von in Wechselwirkung stehenden Elementen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht auf den Einzelnen, sondern auf das gesamte System bspw. ein Team, eine Abteilung oder eine Schule.

Zwischen den Einzelelementen eines Systems bestehen Verbindungen. Verändert sich eine Eigenschaft eines Einzelelementes, wird durch Rückkoppelungsprozesse das ganze System in Bewegung versetzt. „Vernetztheit bedeutet, dass die Beeinflussung einer Variablen nicht isoliert bleibt, sondern Neben- und Fernwirkungen hat.“ Dörner (2012, 61)

Fritz Simon: „Es wird eine Ganzheit betrachtet, deren Elemente in einem Netzwerk von Wechselwirkungen miteinander verbunden sind, in dem jedes die Bindungen aller anderen bestimmt. Untersuchungsgegenstand sind demnach Strukturen und Funktionen, die Beziehungen von Elementen innerhalb des Gesamtgefüges, die Regeln der Interaktion, die Umwandlungen und Veränderungen von Systemzuständen und –strukturen.“

Beispiel: Der stellvertretender Schulleiter S. verlässt die Schule, um an anderer Stelle selbst Schulleiter zu werden. Durch diesen Weggang des S. kann sich die Rolle des didaktischen Leiters D. verändern: Vielleicht werden durch den Schulleiter neue Aufgaben an ihn delegiert, vielleicht verändert D. aber auch selbst seine Rolle…

Die Systemtheorie ist ein Modell zur Erklärung komplexer Situationen.

Dörner weist (2012, 128 ff) darauf hin, dass den meisten Menschen ein umfassendes Bild des Systems als Ganzes fehlt. Er nennt als Grund für eine isolierte Behandlung von Teilproblemen die Überwertigkeit des aktuellen Problems. „Man hat ein Problem […] dieses muss gelöst werden!“

„Ein Froschteich lässt sich nicht dadurch verstehen, dass ich bis in sein kleinstes Molekül schaue, sondern ich muss mich bemühen, die Regeln des Zusammenspiels seiner Elemente zu erfassen.“

Besonders externe Berater können sie sich einen anderen Überblick verschaffen und versuchen mögliche Druckpunkte zu finden: Komplexere Systeme haben bestimmte „Druckpunkte“, die auf Interventionen besonders reagieren.

Auch wenn hier von den Elementen eines System gesprochen wird: Beratung erfolgt immer mit individuellen Menschen, und bei allen nachfolgenden Schilderungen sollte bedacht werden, dass das Ziel darin besteht, diese Menschen zu erreichen und bei dem Entwicklungsprozess mitzunehmen.

Konstruktivistische Sichtweise und der individuelle Kontext

Um ein System oder Teile davon nachvollziehen zu können, muss der Kontext also der Situationszusammenhang beachtet werden. Hierbei kann nicht oft genug betont werden, dass der Kontext subjektiv ist: eine Situation wird von zwei Personen völlig unterschiedlich wahrgenommen (individuell so als wahr angenommen!) und vor einem individuell erlebten Kontext bewertet.

Fachgruppenleiterin H. erlebt die Fachgruppe aktuell als völlig aggressiv ihr gegenüber. An diesem subjektiven Erleben orientiert sie ihr eigenes Handeln, da es von ihren subjektiven Erklärungen und Erwartungen für die Zukunft mit dieser Fachgruppe geleitet wird.

Diese subjektive Sicht steuert die Wahrnehmung: jedes Mitglied einer Schule nimmt nur Verhaltensweisen der anderen wahr, wobei jeder subjektiv festgelegte Kriterien hat (bspw. was gut/schlecht ist oder was fleißig/faul ist).

Jede Lehrperson hat ein eigenes, mentales Bild von Unterricht, was beispielsweise Unterrichtsbesuche bzw. die Nachbesprechungen kompliziert machen kann. Dieser individuelle Anteil von Unterricht ist vermutlich auch der Grund, warum in den Lehrerzimmern sehr selten über das eigene Lehrerhandeln im Unterricht gesprochen wird.

Menschen reagieren mit subjektiven Strategien: über viele Jahre „erprobtes und bewährtes Verhalten“ folgt als eigene Reaktion. Dabei handelt es sich um subjektive Annahmen, wie das aktuelle Ziel am besten erreicht bzw. die Situation bewältigt werden kann.

Schulleiter H. reagiert nach einem heftigen Wortgefecht mit der Kollegin J. mit einer Rückzugshaltung. Die Vorwürfe der Kollegin machen ihn sprachlos, so dass er nur zum nächsten Termin flüchten kann.

Frau J. hat im Streit das Schweigen der Gesprächspartner schon immer als Aggression empfunden: „Die machen sich ja nicht mal die Mühe zu argumentieren!“ Das macht sie noch wütender, lauter und wortstärker…

Diese höchst subjektiven Sichtweisen werden noch durch diverse Rolleninszenierungen verkompliziert: jeder an der SEB Beteiligte spielt zusätzliche Rollen auf verschiedenen Bühnen (oftmals um sich zu profilieren und auf der Suche nach Anerkennung/Wertschätzung).

Schulleiter H. überspielt seine Rückzugshaltung und seinen schnellen Wechsel zum nächsten Termin durch sehr strengen Umgang mit seinen Schülern. Diesen Umgang fordert er auch von seinem Kollegium. In Steuergruppensitzungen und Konferenzen der erweiterten Schulleitung übernimmt er die Rolle des Klassen-Clowns, nicht zuletzt um heftige Wortgefechte schon frühzeitig unterbinden zu können.

Jede Organisation besteht aus vielfältigen Strukturen – mindestens so vielen Organisationsstrukturen, wie Personen diese Organisation beschreiben, denn jeder sieht die Strukturen „seiner“ Organisation (hier seiner Schule) höchst individuell.

Spekulationen und Bauchgefühle werden mitunter als Erfahrung erlebt und werden in derselben Situation durch jede beteiligte Person höchst unterschiedlich erlebt. Simon (2014, 19) sieht hierin den Grund, warum ständig Konflikte zu erwarten sind, deshalb auch funktionell sind: […] es geht immer um die Balancierung von Widersprüchen […].“

Der bewusste Wechsel der Perspektiven führt zu einer ganzheitlichen Sichtweise, die beispielsweise durch den Anspruch erzeugt werden kann, dass die Beteiligten sich verstehen. Verstehen meint dabei die Sichtweise der anderen nachvollziehen zu können, wozu die Sichtweisen ausgetauscht werden müssen, und das erfordert aktives Nachfragen.

  • „Verstehe ich das Problem richtig, wenn ich es so zusammenfasse …?“
  • „Herr M. wie sehen Sie diese Problematik?“
  • „Wie sehen die anderen Fachschaften diese Situation?“

Besonders hilfreich erscheint die Sicherung des Verstehens verschiedener Sichtweisen beim Umgang mit Widerständen.

„Deshalb empfiehlt es sich bei dem Versuch, eine gemeinsame Wirklichkeitskonstruktion zu erstellen, stets mit der Beschreibung anzufangen, da die meisten Konflikte erfahrungsgemäß aus unterschiedlichen Erklärungen und Bewertungen resultieren, die mit unterschiedlichen Handlungskonsequenzen verbunden sind (d.h. der Frage, wer was wie wann ändern soll/kann/muss).“ Simon (2014, 21)

Systemische Ansätze vertreten die Perspektive, dass Probleme nicht Probleme einer Einzelperson sind, sondern als Probleme im Kontext eines sich entwickelnden sozialen Bezugssystems zu sehen sind („kontextueller Wechselwirkungszusammenhang“). Probleme entstehen aus dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren eines komplexen Systems.

Schulleiter H. plagen seit dem Besuch der Qualitätsanalyse Schlafstörungen. Der individualpsychologische Ansatz würde sich um den Schulleiter und seine Befindlichkeit kümmern. Die systemische Sichtweise betrachtet das System, beispielsweise die Spielregeln in seinem Kollegium, die teilweise unbewusst und automatisch, aber hochwirksam den schulischen Alltag mitgestalten und steuern.

Die systemische Sichtweise ist konstruktivistisch: Menschen handeln aufgrund der Bedeutung, die sie einer Situation geben. Jede Situation wird völlig unterschiedlich und höchst individuell wahrgenommen. Dabei gilt: jeder handelt für sich subjektiv in seinem individuellen Kontext  stimmig und sinnvoll. Jede Handlung Ihres Gegenübers ist damit voller Sinn – sinnvoll aus seiner individuellen Sicht. Diesen Sinn können Sie von außen zwar manchmal nicht nachvollziehen („warum macht der Idiot denn diesen Mist?“), sollte Ihnen aber stets bewusst sein. Fragen Sie doch mal nach dem Zweck/der Absicht hinter dem Verhalten Ihres Gegenübers.

Was Menschen denken, fühlen und tun ist demnach immer voller subjektiver Bedeutung und voller Sinn. Das daraus resultierende Verhalten ist das Ergebnis individueller Deutungen der Wirklichkeit

„Unsere Erinnerungen sind nicht eine Kopie der erlebten Geschehnisse. Sie sind auch nicht endgültig in unser Gehirn eingraviert und liegen dort unverständlich bis zu ihrem Wiedererinnern. Ganz im Gegenteil: Erinnerungen verändern sich mit jedem neuen Tag.“ Gasser (2010, 44)

Diese subjektiven Deutungen sind eine individuelle Konstruktion der Wirklichkeit: Wahrnehmung ist die eigentliche Wirklichkeit. Und so wird eine Veränderung möglich: die Veränderung der individuellen Wahrnehmung ermöglicht die Veränderung der Wirklichkeit.

Exkurs: Fallbeispiel ‚Hundertmarkschein’

„Wir stehen an einer Bushaltestelle neben einem unbekannten Mann. Als eine Frau an ihm vorbeigehen will, greift er in die Hosentasche, holt einen Hundertmarkschein heraus und reicht ihn ihr wortlos. Wir beobachten, wie die Frau wütend reagiert, dem Mann eine Ohrfeige verpasst und mit vor Wut hochrotem Kopf davonstapft. Nach kurzer Zeit erscheint eine weitere Passantin und der Mann wiederholt das gleiche Verhalten. Die Reaktion dieser Frau ist jedoch völlig anders: sie errötet vor Scham, sieht auf den Boden und läuft schnell weiter. Nach zwei Minuten kommt eine weitere Frau vorbei. Wieder greift der Mann in die Tasche, holt den Schein heraus und hält ihn ihr wortlos hin. Bei dieser Passantin beobachten wir, wie sie lacht, sich freut, den Schein nimmt, „Danke!“ sagt und weitergeht. Schließlich kommt eine vierte Frau vorbei. Der Mann verhält sich wie zuvor und wir sehen, wie diese Person darauf reagiert: sie ist ganz gelassen, sieht ihn an und sagt: „Ich hab auch kein Wechselgeld.““ Stavemann (2001, 49)

 

Aus systemischer Sicht handeln Menschen aus völlig unterschiedlichen Perspektiven – die nicht von außen steuerbar oder kontrollierbar sind. Beratung versucht die Aufmerksamkeit im Beratungsprozess auf einzelne Kontexte der Beteiligten zu fokussieren, um betrachten und hinterfragen zu können.

 

„Fragen und andere Bemühungen, das System, wie es „ist“, zu verstehen, folgen dem Missverständnis, dass man verstehen könnte, wie das System organisiert ist. Jedes so genannte System weist aber multiple Möglichkeiten auf, sich zu organisieren, sowohl in problemverstärkender als auch in lösungsfördernder Weise.“ Schmidt (2013, 82)

Motto: „Verwende, was der Klient dir bringt!“ (vgl. Watzlawick et. al. 2001, 128) 

Außengrenzen eines Systems

Ein System grenzt sich durch die subjektiv definierte Systemgrenze ab: Alles, was nicht zum aktuellen System gehört, bildet die Umwelt dieses Systems und wird somit vom Rest der Welt klar abgegrenzt.

Beispielsweise ist bei der Betrachtung der „Fachkonferenz B“ die Umwelt schon die „Fachkonferenz M“. Betrachtet man jedoch das System „ganze Schule“, sind beide Fachkonferenzen Bestandteile des Systems. Betrachtet man das System Schulleitung können beide Abteilungen Umwelt sein. Systemgrenzen definiert einzig und allein der zu Beratende.

Schulleiter H. sieht sich als Einzelkämpfer und in der Verpflichtung nun das Zielvereinbarungsgespräch mit der Schulaufsicht führen zu müssen. Er definiert die Systemgrenze als „seine Schulleitung“.

Der Klient definiert seine Außengrenzen. Die Beratung muss diese nachvollziehen können, um im Beratungsprozess klären zu können, was im Klientensystem vorgeht und verändert werden kann und was außerhalb des aktuellen Klientensystems begründet liegt und somit nicht Gegenstand von Veränderungsprozessen sein kann. Ein außerhalb des Systems liegendes Problem, dass nicht gelöst werden kann (bspw. das Schulsystem, die Anzahl der Ermäßigungsstunden für diese Schule oder die Motivation aller Lehrpersonen einer Schule) liegt im Bereich der Außengrenzen, da die Lösung durch das eigene System schlichtweg utopisch ist.

Unser Verhalten orientiert sich an unseren Erfahrungen. Dabei orientieren wir uns an inneren Landkarten, die uns Wege, Möglichkeiten und Grenzen für mögliches Verhalten aufzeigen. Diese individuellen und subjektiven Landkarten sind Fiktion: wir halten sie für richtig und richten unser „normales“ Verhalten danach aus. Objektiv betrachtet sind es aber lediglich Karten, die zwar auf Erfahrungen beruhen, jedoch von uns erfunden wurden. Auf diesen Karten sind Grenzen eingezeichnet, wo objektiv gar keine sind. Es gibt keine objektive Umwelt.

Im Rahmen der systemischen Beratung schildert der Schulleiter H. seine Sicht und sieht keine Handlungsalternativen. 

Ein fremdes System begreifen

Systemtheoretiker versuchen nicht die Realität der anderen zu erfahren: das ist unmöglich. Jedem Subjekt ist nur die eigene Realität zugänglich.

Beispiel: Zeichnen Sie eine Karte von Ihrem Lieblingsferienort. Anschließend beschreiben Sie (rein verbal!) einer anderen Person Ihre Karte, so dass diese Person den Ort zeichnen kann – ohne jemals dort gewesen zu sein. Was wird passieren? Sie versuchen, Schritt für Schritt diesen Ort zu beschreiben, um Ihr Gegenüber in dieses System einzuarbeiten. Je nach Vorgehensweise würden manche Details sehr spät bekannt, manche Informationen würden vermutlich vollständig übersehen und sehr viele Inhalte würden zwar kommuniziert, aber völlig anders eingezeichnet….

Ein treffendes Beispiel beschriebt Georg Breiner (Breiner & Polt, 2012, 18), der von seiner Tochter gefragt wurde: „Weißt du, wie lange Krokodile leben?“

Was würden Sie antworten?

Antwort der Tochter: „Na genauso wie kurze!“.

Ziel ist es, durch neugierige Fragen dem Klienten seine eigene Realität erfahrbar zu machen bspw. indem gemeinsam Ideen für neue Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden. Noch einmal: es geht nicht um das Verstehen, die Deutung oder eine Interpretation durch den Berater.

Es wird also nicht nach dem Grund für Verhalten gefragt, sondern nach der Funktion: welchen Zweck hat es? Welche Wirkungen werden hervorgerufen? Was wäre, wenn dieses Verhalten nicht mehr oder anders gezeigt würde?

 

In einer Mehrpersonenberatung wie der Beratung werden diese Einzelwahrnehmungen zu einer komplexen Gemengelage: jede Person am Tisch des Beratung agiert aufgrund individueller Vorerfahrungen seiner eigenen Biografie. Subjektive Erklärungsmuster, Theorien und „innere Landkarten“ prägen den Beratungsprozess und können Sachaspekte überlagern. „Jedes Problem hat genau die Bedeutung, die man ihm beimisst!“ Palmowski (2007, 76)

„Aus einer systemtheoretischen Perspektive muss daher festgestellt werden, dass jeder Teilnehmer an einer Interaktion immer nur auf die Bedeutungen (Erklärungen, Bewertungen) reagiert, die er selbst dem beobachteten Verhalten […] gibt.“ Simon (2014, 58)

Die Einzelwahrnehmungen enthalten zudem häufig koalierende (und divergierende) Ansätze. Die Beratung muss in besonderem Maße bei der Zieldefinition diese Situation im Blick haben und mit diesen ggf. divergierenden Ansätzen umgehen.

Simon & Rech-Simon (2013, 29) beschreiben die Situation eines Taxifahrers, in dessen Wagen mehrere Personen steigen und unterschiedliche Fahrziele angeben. „Der eine möchte zum Bahnhof, der andere zum Flughafen, ein dritter sagt, ihm sei es egal, wohin die Fahrt gehe, er wolle nur weg von hier, und ein vierter will eigentlich da bleiben, wo er ist, wird aber von den anderen in den Wagen gezerrt. […] Solch eine „Zielklärung“ ist – konstruktivistische betrachtet – eigentlich eine Zielerfindung […].“ (ebd., 29)

Bei der Beratung ist das Herausfinden des (gemeinsamen) Ziels nicht nur wichtig, sondern benötigt auch entsprechend viel Zeit und sollte nicht vorschnell abgeschlossen werden. Es gilt (sofern vorhanden) die unterschiedlichen Fraktionen zu integrieren.

Oft denken wir, ein Problem „klar zu haben“ und treffen eine (vorschnelle) Entscheidung. Besonders bei kritischen Entscheidungen sollte man das Problem vorher genau hinterfragen. Dabei wird das, was mit der Entscheidung in einem Zusammenhang steht betrachtet – zumindest die Meinungen über diese Tatsachen, denn diese subjektiven Ansichten sind etwas anderes als Tatsachen.

Praktische Hinweise zur Problemdefinition:

  • Beschäftigen Sie sich im Vorfeld nur bedingt (besser gar nicht) mit einer Vorab-Diagnose. Die Lektüre des Berichtes der Qualitätsanalyse gibt natürlich Sicherheit bei einem Erstbesuch, verhindert aber eine unbefangene Kontaktaufnahme. Die Problemdefinition samt Ziel- und Prioritätenliste benennt die zu beratende Schule.
  • Hinterfragen Sie die Problemdefinition des Klienten. Sicherlich definiert – wie in diesem Text mehrfach ausgeführt wird – die zu beratende Schule das Problem. Ein unkritisches Annehmen der vom Klienten dargelegten Problemdefinition kann aber zu „mehr vom selben“ führen, da die Klienten diese Sicht schon länger zu lösen versuchen. Eine veränderte Sichtweise durch entsprechende Hinterfragung kann neue Ansätze aufdecken. Beispiel: Viele Unfälle an einer Kreuzung zwingen zum Handeln: statt „mehr vom selben“ – also mehr und noch besser geschaltete Ampeln kann als neuer Ansatz ein Kreisverkehr angelegt werden, der das Problem völlig anders angeht.
  • Definieren Sie das Problem als Problem und nicht als Prozess, so dass eine Zielableitung möglich ist. Es gilt zunächst ein Ziel zu definieren und danach den Weg zu diesem Ziel festzulegen.

Wenn die Klienten bspw. darlegen „wir brauchen Team- und Unterrichtsentwicklung!“, wird dabei der Weg zum Ziel vorgeschlagen; es liegt aber keine Problemdefinition vor.

„Dabei ist es wichtig, sich das Ziel bzw. den Zustand nach erfolgreicher Beratung möglichst konkret beschreiben zu lassen. […] (z.B. „Was machen Sie anders, wenn es Ihnen [nach der Beratung; Anm. d. V.] gut geht?“)“ Simon (2014, 96)